Spirit XXII – Zuversicht

spirit XXII – zuversicht

begleite mich
auf dunklen pfaden

spür die hoffnung
die nie verlischt

zwischen baumstümpfen
gemeinsam tragen

schulter an schulter
den blick voraus und zurück

hand in hand
wachsen wir zusammen

fragen uns
warum wir es nicht schon vorher zugelassen haben

im moment der wahrheit
hinterfragen wir nichts

umarmen uns ganz fest und wissen
dass ein freundschaftsband uns verbindet

bruder

dass es immer halt
und wärme spenden wird

Die Theorie des Ätherwindes

Schweigend schleppten sie sich die Treppe hoch. Oben angekommen blieben sie nebeneinander stehen. Alba schlief fast schon im Stehen ein, Roman selbst ging es auch nicht besser.
„Danke”, sagte sie leise, und wandte ihm den Rücken zu. Er schaute ihr nach, wie sie in der Dunkelheit des Gesellenflügels verschwand. Er wollte ihr folgen. Natürlich tat er es nicht. Roman drehte sich um und ging mit geschlossenen Augen zu seiner Kammer, zerrte kraftlos die Kleider vom geschundenen Leib, und schlüpfte mit letzter Kraft in das lange, schwarze Schlafhemd.
Er fiel ins Bett, bleischwer versank sein Körper in der Matratze. Sein Atem wurde langsamer, der Kreislauf fuhr herunter. Kurz vorm Einschlafen klopfte es an der Tür.
Er rang mit sich, dann quälte er sich hoch und hinkte zur Tür. Das Bein gehorchte ihm nicht, er stemmte die Hand gegen den Oberschenkel. Im schwachen Schein des Mondlichts stand Alba. Ihr Gesicht geisterhaft weiß, ihre Augen schauten ihn nicht an.
„Ich kann nicht schlafen”, murmelte sie. Sie war todmüde, genau wie er selbst.
Ohne nachzudenken nahm er Alba zu sich. Sie schmiegte sich fest an ihn, wie sie es in der verfallenen Kapelle getan hatte, nachdem sie fast gestorben war. Alba atmete nach wenigen Minuten tief und gleichmäßig.

Als er am nächsten Morgen aufwachte, lagen sie einander zugewandt auf der Seite und hielten sich an den Händen. Alba schaute ihn an.
„Geht es euch besser?”, fragte er. Alba schüttelte mit dem Kopf. Obwohl ihr Gesichtsausdruck weich und entspannt wirkte, sah er das Verlorensein dahinter. Er drückte ihre Hände fester, strich mit seinen Daumen über ihre Finger.
„Ob ihr Meisterin werdet oder nicht, Alba, das ist egal. Ihr könnt auf mich zählen, ich nehme euch auch weiter mit nach untertage, wenn ihr das möchtet.” Er wollte noch mehr sagen, aber das wäre zu viel gewesen.
„Geht es euch jetzt besser?”, fragte er noch einmal. Alba zuckte leicht mit den Schultern.
„Ich weiß es nicht”, antwortete sie leise, „ich gehe besser wieder rüber.” Sie löste die Verbindung ihrer Hände und stand auf. Anstelle der Wärme ihres Körpers blieb nur eiskalte Luft. Alles in ihm schrie danach, Alba bei sich zu behalten, aber das traute er sich nicht. Es tat weh, dass sie ging.

(Auszug aus dem Romanprojekt „Die Theorie des Ätherwindes“)